Steirische Schulen-Arbeitsgemeinschaft für den heimatkundlichen Unterrichtsfilm
Organisation, EDU-A-0001774
nicht-staatliche Organisation — Unabhängige, regionale Initiative von Lehrenden zur Verbreitung des Films als Lehrmittel, insbesondere in Landschulen in der Steiermark für den heimatkundlichen Unterricht
Die "Steirische Schulen-Arbeitsgemeinschaft für den heimatkundlichen Unterrichtsfilm" [= HKUF] war eine unabhängige, regionale Initiative zur Verbreitung des Films als Lehrmittel, insbesondere in Landschulen der Steiermark für den heimatkundlichen Unterricht. [1] Ein Ziel der Mitglieder war, damit "Liebe zur Heimat" zu erzeugen und ein "gegenseitiges Verständnis" zwischen Stadt zu fördern. [2]
Die HKUF gründete sich offiziell 1935, lose Aktivitäten der Mitglieder, mehrheitlich steirische Lehrer:innen, sind jedoch spätestens seit 1934 nachweisbar. Ausgehend von der Kleinstadt Bruck an der Mur traten laut einem Bericht Hans Zachs, der Leiter und einer der Gründer, bis Mai 1938 etwa 200 Schulen der Initiative bei; mehrheitlich Volks- und Hauptschulen, doch auch eine Volksbildungsinstitution und eine Lehrerbildungsanstalt. [3]
Viktor Zack, Lehrer und Amateurfilmer und zentrales Mitglied der HKUF, drehte zwischen 1934 und 1938 etwa 30 Lehrfilme zu Naturkunde, Geschichte, Wirtschaft und Geografie der näheren Umgebung für die Arbeitsgemeinschaft. [4] Gegen eine Gebühr von 50 Groschen pro 50 Meter pro Film und einen jährlichen Beitrag erlangten die beteiligten Schulen und Volksbildungsinstitutionen Zugang zu Zacks Filmen, zu Kontextmaterial (Karten, Erläuterungen usw.) und Projektionsapparaten. Sie erhielten darüberhinaus Beratung und die Möglichkeit, an Schulungen und den regionalen und Jahrestagungen der Arbeitsgemeinschaft teilzunehmen. [5] Zacks Filme zirkulierten auch außerhalb der Region: Sie wurden von kleineren Initiativen wie der Wiener Arbeitsgemeinschaft "Unterrichtsfilm" in der Mädchenhauptschule Währing [6] ebenso projiziert wie bei Schmalfilmabenden des Österreichischen Schulkinobunds. [7]
Neben diesen informell(er)en Netzwerken war die HKUF mit dem Bildungsministerium in Kontakt: Landesschulräte riefen auf, der Initiative beizutreten und stellten Lehrer:innen für die Tagungen der Arbeitsgemeinschaft vom Unterricht frei. [8] 1935 nahmen der Leiter des ÖLFD, Johann Haustein, und Hans Mokré, Volksbildungsreferent der Steiermark, als Vertreter des Bildungsministeriums an der Gründungstagung in Bruck an der Mur teil. [9] Insbesondere die (unentgeltliche) Nutzung der Projektoren und von Zacks Filmen lag in ihrem Interesse. Geplant war auch eine Zweigstelle des ÖLFD in Graz mit Filmen der HKUF. Diese profitierte ebenfalls vom Austausch, da der ÖLFD Zack Footagematerial für einen Film zur Verfügung stellte. [10]
Die "Steirische Schulen-Arbeitsgemeinschaft für den heimatkundlichen Unterrichtsfilm" bestand mindestens bis Mai 1938, danach dürfte sie aufgelöst worden sein. Zumindest das Mitglied Viktor Zack engagierte sich weiterhin für den Lehrfilm: Er drehte Lehrfilme und leitete sowohl während der NS-Zeit als auch in der Republik Österreich die jeweilige steirische Landesbildstelle. [11]
(Marie–Noëlle Yazdanpanah)
[1] Vgl. ausführlicher zur HKUF: Yazdanpanah, Marie-Noëlle: The Austrian Province as Subject and Space of action in Educational Film Practices, in: Research in Film and History H. 1/2023.
[2] Zach in einem "Aufruf an die Lehrerschaft" [1935]. OESTA, AVA, UM Unterricht allgem., Film 1932–1940, K. 1894, Signatur 10G, 21027/38. Er war Mitglied des steirischen Landessschulrats und Regierungsrat.
[3] Ebd.
[4] Filmverzeichnis der HKUF, Stand Jänner 1938. Ebd.
[5] Ebd.
[6] Bericht über die Versuchsarbeit mit Unterrichtsfilmen in Wien, 18. OeStA, AVA, UM Unterricht allgem., Film 1932–1940, K. 1894, Signatur 10 G, Zl. 1590/1938.
[7] N.N.: Der Schmalfilm als Unterrichtsfilm, in: Die österreichische Schule, H. 4/1937, 314.
[8] Verordnungsblatt für das Schulwesen in der Steiermark, 15.2.1935, 21–22; N.N.: Mitteilungen, in: Pädagogische Zeitschrift, H. 1/1938, o.S.
[9] N.N.: Schmalfilm-Tagung in Bruck a. d. Mur, in: Die österreichische Schule, H. 3/1935, 2.
[10] OeStA, AVA, UM Unterricht allgem., Volksbildung Film 1935, K. 493, Signatur 2D2, 7916-VB/35.
[11] Vgl. den Datenbankeintrag zu Viktor Zack.
Die HKUF gründete sich offiziell 1935, lose Aktivitäten der Mitglieder, mehrheitlich steirische Lehrer:innen, sind jedoch spätestens seit 1934 nachweisbar. Ausgehend von der Kleinstadt Bruck an der Mur traten laut einem Bericht Hans Zachs, der Leiter und einer der Gründer, bis Mai 1938 etwa 200 Schulen der Initiative bei; mehrheitlich Volks- und Hauptschulen, doch auch eine Volksbildungsinstitution und eine Lehrerbildungsanstalt. [3]
Viktor Zack, Lehrer und Amateurfilmer und zentrales Mitglied der HKUF, drehte zwischen 1934 und 1938 etwa 30 Lehrfilme zu Naturkunde, Geschichte, Wirtschaft und Geografie der näheren Umgebung für die Arbeitsgemeinschaft. [4] Gegen eine Gebühr von 50 Groschen pro 50 Meter pro Film und einen jährlichen Beitrag erlangten die beteiligten Schulen und Volksbildungsinstitutionen Zugang zu Zacks Filmen, zu Kontextmaterial (Karten, Erläuterungen usw.) und Projektionsapparaten. Sie erhielten darüberhinaus Beratung und die Möglichkeit, an Schulungen und den regionalen und Jahrestagungen der Arbeitsgemeinschaft teilzunehmen. [5] Zacks Filme zirkulierten auch außerhalb der Region: Sie wurden von kleineren Initiativen wie der Wiener Arbeitsgemeinschaft "Unterrichtsfilm" in der Mädchenhauptschule Währing [6] ebenso projiziert wie bei Schmalfilmabenden des Österreichischen Schulkinobunds. [7]
Neben diesen informell(er)en Netzwerken war die HKUF mit dem Bildungsministerium in Kontakt: Landesschulräte riefen auf, der Initiative beizutreten und stellten Lehrer:innen für die Tagungen der Arbeitsgemeinschaft vom Unterricht frei. [8] 1935 nahmen der Leiter des ÖLFD, Johann Haustein, und Hans Mokré, Volksbildungsreferent der Steiermark, als Vertreter des Bildungsministeriums an der Gründungstagung in Bruck an der Mur teil. [9] Insbesondere die (unentgeltliche) Nutzung der Projektoren und von Zacks Filmen lag in ihrem Interesse. Geplant war auch eine Zweigstelle des ÖLFD in Graz mit Filmen der HKUF. Diese profitierte ebenfalls vom Austausch, da der ÖLFD Zack Footagematerial für einen Film zur Verfügung stellte. [10]
Die "Steirische Schulen-Arbeitsgemeinschaft für den heimatkundlichen Unterrichtsfilm" bestand mindestens bis Mai 1938, danach dürfte sie aufgelöst worden sein. Zumindest das Mitglied Viktor Zack engagierte sich weiterhin für den Lehrfilm: Er drehte Lehrfilme und leitete sowohl während der NS-Zeit als auch in der Republik Österreich die jeweilige steirische Landesbildstelle. [11]
(Marie–Noëlle Yazdanpanah)
[1] Vgl. ausführlicher zur HKUF: Yazdanpanah, Marie-Noëlle: The Austrian Province as Subject and Space of action in Educational Film Practices, in: Research in Film and History H. 1/2023.
[2] Zach in einem "Aufruf an die Lehrerschaft" [1935]. OESTA, AVA, UM Unterricht allgem., Film 1932–1940, K. 1894, Signatur 10G, 21027/38. Er war Mitglied des steirischen Landessschulrats und Regierungsrat.
[3] Ebd.
[4] Filmverzeichnis der HKUF, Stand Jänner 1938. Ebd.
[5] Ebd.
[6] Bericht über die Versuchsarbeit mit Unterrichtsfilmen in Wien, 18. OeStA, AVA, UM Unterricht allgem., Film 1932–1940, K. 1894, Signatur 10 G, Zl. 1590/1938.
[7] N.N.: Der Schmalfilm als Unterrichtsfilm, in: Die österreichische Schule, H. 4/1937, 314.
[8] Verordnungsblatt für das Schulwesen in der Steiermark, 15.2.1935, 21–22; N.N.: Mitteilungen, in: Pädagogische Zeitschrift, H. 1/1938, o.S.
[9] N.N.: Schmalfilm-Tagung in Bruck a. d. Mur, in: Die österreichische Schule, H. 3/1935, 2.
[10] OeStA, AVA, UM Unterricht allgem., Volksbildung Film 1935, K. 493, Signatur 2D2, 7916-VB/35.
[11] Vgl. den Datenbankeintrag zu Viktor Zack.
Lehrfilm-Organisationen in Österreich: Ein Überblick (is related to)
Schmalfilmtagung Wiener Neustadt (ist Teilnehmer*in von)
Viktor Zack (hat Mitglied)
Währinger Arbeitsgemeinschaft für den Unterrichtsfilm (ist Kooperationspartner von)
Schulkinobund (ist Kooperationspartner von)
Österreichischer Lichtbild- und Filmdienst (ist Kooperationspartner von)
Währinger Arbeitsgemeinschaft für den Unterrichtsfilm (ist Kooperationspartner von)
Schulkinobund (ist Kooperationspartner von)
Österreichischer Lichtbild- und Filmdienst (ist Kooperationspartner von)