RfdU

Organisation, EDU-A-0000874

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RfdU (Kurzbezeichnung)

Quelle: Ewert, Malte: Die Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (1934-1945), Hamburg 1998, S. 76.

Reichsstelle für den Unterrichtsfilm (offizieller Name)

Zeitbereich: 28. Juli 1934 bis 14. Februar 1940
Quelle: Ewert, Malte: Die Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (1934-1945), Hamburg 1998, S. 76.
1934-07-28 (date of foundation)

Quelle: Ewert, Malte: Die Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (1934-1945), Hamburg 1998, S. 84.

1945-05-08 (date of dissolution)

Quelle: Ewert, Malte: Die Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (1934-1945), Hamburg 1998, S. 84.
Die aufgrund des Erlasses des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust, vom 26.6.1934 am 28.7.1934 gegründete "Reichsstelle für den Unterrichtsfilm" (RfdU), die am 14.2.1940 in "Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht" (RWU) umbenannt wurde, [1] war Teil der vom Ministerium betriebenen "'Gleichschaltung' des gesamten Erziehungs-, Schul- und Hochschulsystems" in NS-Deutschland. [2] Mit der Einrichtung einer Zentralstelle für die Produktion und die Förderung von Unterrichts- und Forschungsfilmen kam der NS-Staat zwar einer Forderung nach, die während der Weimarer Republik von zahlreichen Pädagogen erhoben worden war (zuletzt am 11. Bildspielbundestag 1932), [3] zugleich setzte sie damit aber allen unabhängigen Bemühungen um den Unterrichtsfilm ein Ende bzw. brachte diese unter ihre Kontrolle (die bereits zuvor existierenden amtlichen Bildstellen der Länder wurden in die Reichsstelle eingegliedert). Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass die von der RfdU und der RWU produzierten Unterrichts- und wissenschaftlichen Filme "die einzigen professionell produzierten Filmgattungen waren, die während des 'Dritten Reiches' nicht in den Kompetenzbereich des Propagandaministeriums fielen". [4]

Erster Geschäftsführer der RfdU wurde der Leiter der Bayerischen Landesfilmbühne, Leutnant Egon von Werner, ihm folgte 1936 Kurt Gauger im Amt nach. [5] Zu den zentralen Aufgaben von RfdU und RWU zählten neben der Produktion von Unterrichtsfilmen, die sich an einem vereinheitlichten Themen- und Sachprogramm orientierten, das von der RfdU in Zusammenarbeit mit dem NS-Lehrerbund entwickelt worden war, [6] in erster Linie die Ausrüstung aller deutschen Schulen mit Filmprojektoren sowie die Einrichtung eines engmaschigen Netzes von Landes-, Kreis- und Stadtbildstellen, die für die Distribution der Filme zu sorgen hatten. Auf diese Weise wurden bis zum Kriegsende 317 Filme für Allgemeinbildende Schulen produziert, 106 Filme für gewerbliche, hauswirtschaftliche und kaufmännische Schulen, 37 Filme für landwirtschaftliche Schulen sowie 525 Filme für Hochschulen. [7] Wie aus dem Bericht des mit der ministeriellen Aufsicht der RfdU und späteren RWU betrauten Ministerialrats im Reichserziehungsministerium, Kurt Zierold, hervorgeht, waren 1939 bereits 34.300 Vorführgeräte an die deutschen Schulen und Hochschulen geliefert sowie 29 Landesbildstellen und 967 Kreis- und Stadtbildstellen eingerichtet worden. [8]

Obwohl weder RfdU noch RWU Unterrichtsfilme selbst herstellten, sondern diese in Auftragsproduktion an Firmen wie etwa "die Berliner Basse-Film, Boehner-Film Dresden, Hans Cürlis' seit 1919 bestehendes Institut für Kulturforschung" oder "die Firmen Weid, Dix, Niemeier und Rühr" übergaben, "die über Erfahrungen auf dem Kulturfilmsektor verfügten", unterstanden alle Phasen der Produktion – von der Auswahl der Themen über die Verfassung und Genehmigung des Drehbuchs bis hin zu den Dreharbeiten und der Montage – ihrer Kontrolle. [9] Im Resultat ergab diese Praxis eine strenge Konfektionierung des Unterrichtsfilms, die nicht zuletzt dazu diente, diesen vom Kulturfilm, welcher dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unterstand, zuverlässig abzugrenzen. Wie Ursula von Keitz ausführte, beruhte die Struktur der Unterrichtsfilme "zum einen auf einer Kinder und Jugendlichen unterstellten, altersspezifischen Apperzeptions- und Verstehenskompetenz für Film, was insbesondere Auswirkungen auf Einstellungslängen, continuity und Montage hat. So sollten keine überraschenden Sensationen und dramatische Wendungen, keine logischen oder optischen Sprünge enthalten sein; die dargestellten Szenen sollten ruhig und lang ausgespielt, Vorgänge nicht sprunghaft gezeigt, sondern vollständig abgebildet werden. Ferner sollten sie sich auf eng begrenzte Themen konzentrieren und nicht auf ganze Unterrichtseinheiten beziehen". [10]

In ihrer Sachbezogenheit und formalen Kunstlosigkeiten stellten die von RfdU und RWU verbreiteten Unterrichtsfilme so etwas wie "Halbfertigprodukte" dar, die im schulischen Unterricht auf die Vermittlung durch die Lehrperson angewiesen waren und damit deren Autoritätsanspruch respektierten. [11] Die in der Regel 10 bis 15 Minuten langen Unterrichtsfilme waren dem entsprechend grundsätzlich stumm und kamen ohne Zwischentitel aus. "Damit sollte klar gestellt werden", so Kurt Zierold, "dass diese Filme nichts aus sich sind, sondern alles nur in der Hand des Pädagogen, der die Filme ergänzen muß, und zwar nicht zuletzt nach ihrer rationalen Seite". [12] Um auch diese Ergänzung nicht vollständig der Freiheit der einzelnen Lehrer*innen zu überlassen, publizierten RfdU und RWU zu jedem Filmtitel ein "zusammen mit der Filmkopie an die Schulen ausgeliefertes Beiheft, das den Lehrern zur Unterrichtsvorbereitung diente". [13]

Nach dem "Anschluss" Österreichs an NS-Deutschland 1938 wurden Struktur und Unterrichtsfilme von RfdU und RWU auf das Gebiet der Ostmark ausgeweitet. Zunächst wurde der seit 1930 existierende Österreichische Lichtbild- und Filmdienst (ÖLFD) mit seinen "Landeszweigstellen" und "Bezirkslichtbildstellen" in die Landesbildstelle Ostmark überführt, zu deren Leiter am 13. Oktober 1938 der Lehrer und Parteigenosse Othmar Gugenberger ernannt wurde. [14] Mit dem Erlass des Ministers für innere und kulturelle Angelegenheiten vom 18. Februar 1939 wurde die Landesbildstelle Ostmark in drei Landesbildstellen aufgeteilt: Wien wurde Sitz der Landesbildstelle für Wien, Niederösterreich und Oberösterreich, Graz Sitz der Landesbildstelle für Steiermark und Kärnten, Innsbruck Sitz der Landesbildstelle für Salzburg, Tirol und Vorarlberg. [15]

Die nach der Niederlage Nazi-Deutschlands bereits im Juni 1945 gegründete Bundesstaatliche Hauptstelle für Lichtbild und Bildungsfilm (kurz: SHB) übernahm als nachgeordnete Dienststelle des österreichischen Unterrichtsministeriums nicht nur die Adresse der Landesbildstelle Wien in der Sensengasse 3 im 9. Wiener Gemeindebezirk von RfdU und RWU (die sie ihrerseits vom ÖLFD übernommen hatten), sondern neben der bereits etablierten Produktions- und Distributionsstruktur auch jene von RfdU und RWU hergestellten Unterrichtsfilme, die dem "Kommissionsbericht der UNESCO über die deutschen Unterrichtsfilme" von 1945 zufolge auch weiterhin einen praktischen Wert für Lehrer*innen in Schulen haben konnten. [16] In den Katalogen und Filmverzeichnissen der SHB sind diese Filme daran zu erkennen, dass ihre Signaturen Nummern tragen, die kleiner als 1000 sind. [17]

(Vrääth Öhner)

[1] Ewert, Malte: Die Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (1934-1945), Hamburg 1998, S. 76 und 84.

[2] Keitz, Ursula von: Die Kinematographie in der Schule. Zur politischen Pädagogik des Unterrichtsfilms von RfdU und RWU, in: Zimmermann, Peter; Hoffmann, Kay (Hg.), Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland. Band 3: ›Drittes Reich‹ (1933-1945), Stuttgart 2005, S. 463-488, hier S. 463.

[3] N.N.: Tagebuch, in: Der Bildwart, 10. Jg., Heft 7, 1932, S. 326.

[4] Keitz, Kinematographie in der Schule, a.a.O., S. 463f.

[5] Ebd., S. 467.

[6] Ebd., S. 470.

[7] N.N.: Liste der von der RfdU/RWU hergestellten Filme, in: Ewert, Reichsanstalt, a.a.O., S. 345-364.

[8] Zierold, Kurt: Wesen und Werden des Unterrichtsfilms in Deutschland, Stuttgart und Berlin 1939, S. 22f.

[9] Keitz, Kinematographie in der Schule, a.a.O., S. 470.

[10] Ebd., S. 472.

[11] Ebd.

[12] Zierold, Wesen und Werden, a.a.O., S. 16.

[13] Keitz, Kinematographie in der Schule, a.a.O., S. 476.

[14] OeStA, AVA, UM Unterricht allg., Volksbildung: Film 1938–1940, K. 502, Signatur 2D2, Geschäftszahl 26950. Oesterr. Lichtbild- und Filmdienst. Wechsel in der Leitung, Vorschlag zur Ernennung des .... (KP_1020)

[15] N.N.: Amtliche Verfügungen, in: Film und Bild, H. 6/1939, 174.

[16] N.N.: Kommissionsbericht der UNESCO über die deutschen Unterrichtsfilme, in: Ewert, Reichsanstalt, a.a.O., S. 365-378, hier S. 370.

[17] Vgl. Schmid, Hannes: Filmverzeichnis 1963 der SHB-Film, Wien 1963.

Quelle: RfdU-RWU_Informationen_VO_2023-03-23.docx
Kurt Zierold (hat Leiter*in)

Zeitbereich: 1934 bis 1940
Quelle: ZIEROLD-Kurt_Informationen_VO_2022-02-17.docx, IF 2022-09-16.
Anmerkung:
Vorsitzender
Quelle: ZIEROLD-Kurt_Informationen_VO_2022-02-17.docx, IF 2022-09-16.

RWU (hat Nachfolgeorganisation)

Österreichischer Lichtbild- und Filmdienst (ist Nachfolgeorganisation)

Anmerkung:
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Filmabteilung des ÖLFD im Oktober 1938 als "Landesbildstelle Ostmark" in die Strukturen der "Reichsstelle für den Unterrichtsfilm" (RfdU) überführt.
Quelle: ÖStA, AVA, UM Unterricht allg., Film 1932–1940, K. 1894, Signatur 10G, Geschäftszahl IC-2a-303199/c.



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